SONETT
| 16.14 |
SONETT
Ein
Sonett besteht aus vier Strophen. Die ersten beiden Strophen 1)
setzen sich aus vier Versen (Zeilen) zusammen, die letzten beiden Strophen aus
nur je drei Versen. Die ersten beiden Strophen nennt man daher Quartette
(Vierzeiler), die letzten beiden Terzette (Dreizeiler).
Was ist ein Sonett?
Erklärung,
Merkmale, Definition des Begriffs "Sonett"
1.
Allgemeines, Entstehung
Ein
Sonett ist ein kunstvolles Gedicht mit strenger Form (zur Wortherkunft
s. u. 5.). Es entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in
Italien, wo es besonders durch Francesco Petrarca (1304—1374) zu hoher
Form entwickelt wurde. Aus dem englischsprachigen Raum wurden die Sonette
William Shakespeares (1564—1616) aus den Jahren 1592 bis 1598 berühmt und
vielfach übersetzt. Auch in Deutschland entwickelte sich das Sonett im 16.
Jahrhundert. Vor allem Andreas
Gryphius (1616—1664) nahm sich der Form des Sonetts an.
Meisterliche Sonette verfassten später z. B. Goethe, Heine, Rilke,
Hofmannsthal und Trakl (Beispiele dazu auf der Seite Sonette).
2.
Aufbau, Form und inhaltliche Struktur im deutschsprachigen Raum
Somit
besteht schon rein optisch im Druckbild eines Sonetts ein Bruch
zwischen den ersten beiden Strophen einerseits und den letzten beiden Strophen
andererseits. Dieser Bruch ist gewollt.
Im
Idealfall nämlich setzt sich ein Sonett mit einem Thema auseinander, indem es
zunächst eine Aussage (z. B. einen Gedanken) darlegt, um diesen
anschließend im antithetischen Verfahren zu einem Ergebnis zu führen.
Die erste Strophe stellt also eine These auf (eine Behauptung, einen Gedanken,
eine Erfahrung o. ä.), die zweite eine Antithese, d. h. sie
beleuchtet das Thema von einem anderen, vielleicht ergänzenden oder sogar
gegensätzlichen Standpunkt aus. Die dritte und vierte Strophe, also die
Terzette, führen das angesprochene Thema dann zu einem Ergebnis bzw. zu einer
endgültigen Aussage (Synthese).
Formal zeigt sich diese
unterschiedliche Funktion der einzelnen Strophen in ihrem Reimschema (jeder
einzelne Kleinbuchstabe in der folgenden Erläuterung steht für eine Reimsilbe
am Ende jedes der vier bzw. drei Verse):
1. Strophe : a b b a
2. Strophe : a b b a
3. Strophe : c d e
4. Strophe : c d e
1. Strophe : a b b a
2. Strophe : a b b a
3. Strophe : c d e
4. Strophe : c d e
Ähnlich, aber abwechselungsreicher
ist die Variante
a b a b, b a b a, c d e, c d e (Eichendorff, Echte Liebe).
a b a b, b a b a, c d e, c d e (Eichendorff, Echte Liebe).
Doch gibt es hinsichtlich des
Reimschemas viele weitere Varianten, etwa um die einzelnen Strophen auch formal
eng miteinander zu verweben, z. B.
a
a b b, a c c a, a d e, e a d (Hofmannsthal,
Die beiden)
oder
a a b b, b b c c, d d e, e f f (Hofmannsthal, Erfahrung)
oder
a b b a, b a a b, c d c, d e e (Hofmannsthal, Sonett der Seele).
oder
a a b b, b b c c, d d e, e f f (Hofmannsthal, Erfahrung)
oder
a b b a, b a a b, c d c, d e e (Hofmannsthal, Sonett der Seele).
Das
Versmaß (Metrum) eines Sonetts besteht aus vierzehn fünfhebigen Jamben,
d. h. die vier Strophen setzen sich insgesamt aus vierzehn Versen zusammen
(zweimal vier und zweimal drei Verse). Jeder Vers enthält fünf betonte
Silben, wobei abwechselnd auf eine unbetonte eine betonte Silbe folgt
(Jambus). Insgesamt besteht ein Vers dann also aus zehn oder elf Silben. Doch
auch hiervon gibt es Ausnahmen (z. B. Hofmannsthal,
Sonett der Seele).
Das
Wort "Sonett" hat seinen Ursprung im lateinischen Verb
"sonare" = ertönen, klingen. Die Ausführungen zu Reimschema und
Versmaß (s. o. Ziff. 3 und 4) machen den Wortsinn deutlich. Daher nannte
man diese abwechselungsreiche Gedichtform früher auch "Klanggedicht".
6.
Definition des Begriffs "Sonett" (Was ist ein Sonett?)
Verkürzt
lässt sich also sagen: Ein Sonett ist ein Gedicht mit strenger Form, im
deutschsprachigen Raum bestehend aus zwei vierzeiligen und zwei dreizeiligen
Strophen.
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